Wer gegen den Strom schwimmt, profitiert im Januar von attraktiven Ferienangeboten und leeren Pisten. Wer gegen den Strom schwimmt, profitiert in der Krise von Discountpreisen und erhöhten Renditen an der Börse.

Wer über Neujahr Skiferien bucht, zahlt hohe Preise, ärgert sich bei der Anreise im Stau, und findet für elegante Schwünge kaum Platz auf der Piste. Wer das Wintervergnügen auf Mitte Januar verschiebt, erfreut sich günstiger Angebote, bestaunt die Autokolonnen auf der Gegenfahrbahn und legt unbekümmert weite Kurven, ohne Furcht vor einer Kollision. Über Neujahr wollen viele in die Ferien, die Nachfrage nach Feriendomizilen übersteigt das Angebot. Mitte Januar ist es umgekehrt. Wer das ausnützen kann, der profitiert.
Vergleichbares gilt auch den Aktienmärkten. Sieht die Welt gerade rosig aus, herrscht Frieden und Hochkonjunktur, steigt das Interesse an renditeversprechenden Anlagen wie die Nachfrage nach Hotelbetten über die Feiertage. Anleger, Banken und Vermögensverwalter neigen zu Optimismus, die Risiken erscheinen ihnen gering. Die Börsen boomen, Aktien sind teuer und die Entschädigung für das Risiko, die Risikoprämie, sinkt wie an den Feiertagen der verfügbare Platz auf der Piste.
Kippt dann urplötzlich die Stimmung, etwa aufgrund eines unerwarteten Kriegs wie im Februar 2022 oder im März 2026, aufgrund einer unbekannten Krankheit wie im Februar 2020, einer Finanzkrise wie 2008 oder aufgrund einer Erdölkrise wie 1973, sinkt die Nachfrage nach risikobehafteten Vermögensanlagen oft unvermittelt und massiv. Plötzlich erscheint die Welt in düsterem Licht, Banken raten zur Vorsicht und zur Reduktion von Aktienanlagen. Gefahren, die vor Kurzem schwer erkennbar waren, beherrschen nun grell die Schlagzeilen.
Nicht wenigen Investoren, Banken und Anlegern wird dann bewusst, dass sie leichtsinnig Risiken eingegangen sind, die sie gar nicht tragen können. Dann beginnen sie hastig, häufig panisch, Aktien zu verkaufen. Die Kurse sinken stark, die Risikoprämien steigen. Das ist das Januarloch an den Börsen. Wer sich jetzt leisten kann, kalkuliert Risiken zu nehmen und Aktien aufzubauen, profitiert von Discountpreisen und deutlich erhöhten Renditen.
Profitieren können jene, die sich in den guten Zeiten nicht vom allgemeinen Überschwang mitreissen lassen. Die gerade dann, wenn alles rosig erscheint, die Gefahren nicht vergessen und sich nicht übermütig übernehmen. In Zeiten des Booms vorsichtig zu bleiben, ist nicht so leicht, wie es scheint. Gross ist die Versuchung, wenn der Nachbar, der Konkurrent, die Arbeitskollegen stärker als man selbst von den steigenden Kursen profitiert, wenn Kunden und Aktionäre eines Vermögensverwalters im Chor nach mehr Rendite rufen. Umgekehrt braucht es mehr Mut als die meisten haben, während einer Baisse Risiken auf- statt abzubauen.
Oder eine klare, durchdachte Strategie, an die man sich halten kann. Das setzt voraus, dass man sich schon in den guten Zeiten überlegt, welche Risiken man auch in einer Krise noch tragen kann und welche eben nicht. Auch ist es vorteilhaft, Chancen und Risiken an den Finanzmärkten nicht anhand der tagesaktuellen Schlagzeilen, Börsenberichte und rasch wechselnden Bankempfehlungen zu beurteilen. Eine längerfristige historische Betrachtung erweitert den Horizont, das Sensorium und das Vorstellungsvermögen für schwer erkennbare und unsichtbare Gefahren. Eine durchdachte Anlagestrategie erleichtert es, den Verlockungen des Booms zu widerstehen und gibt Kraft und Disziplin, während der Krise gegen den Strom des Pessimismus, gegen die Wellen der Panik zu schwimmen. Nur wer sich entsprechend vorbereitet, wer seine Risikofähigkeit auch unter widrigen Umständen kennt und beachtet, kann von attraktiven Angeboten im Januarloch der Börsen profitieren.