Banken, die jetzt zum Verkauf von Aktien raten, sollten Sie misstrauen. Sie kaschieren damit nur ihren zu leichtfertigen Umgang mit Risiken davor.

Es ist wieder soweit. Bei vielen Banken und Vermögensverwaltern ist Hektik ausgebrochen. Eilig werden Anlagekommitees einberufen. Aktienmarktstrategen warnen vor möglichen, weiteren Kursverlusten: Eine Eskalation des Irankriegs sei keineswegs ausgeschlossen, es müsse mit anhaltenden Störungen der Energiemärkte und ernsthaften Folgen für die Weltwirtschaft gerechnet werden. Verunsicherte Vermögensverwalter und Anleger verkaufen riskante Positionen ohne Rücksicht auf den Preis so rasch wie möglich.
Wann immer in der Welt urplötzlich ein grosser Krieg, eine Pandemie, eine Finanzkrise oder sonst ein katastrophales Ereignis eintritt, beobachten wir ähnliches Verhalten. Steigen die Börsen über längere Zeit, verfallen Anleger und Investoren gerne in Leichtsinn und Euphorie. Mögliche Gefahren werden verdrängt, die Risikobereitschaft steigt schleichend und fast unbemerkt. Immer riskantere Anlagen werden zu hohen Preisen gekauft. Erst wenn es kracht, merkt man, dass man sich übernommen hat. Und stösst die Positionen dann zu Schleuderpreisen ab. „Buy high, sell low“ ist typisch menschliches Verhalten.
Das Gegenteil wäre gescheiter. Mit dem unerwarteten Eintreffen einer Katastrophe ist ständig zu rechnen. Gerade dann, wenn alles rosig erscheint. Dauernd muss man sich fragen: Kann ich die eingegangenen Risiken auch in einer Krise tragen?
Wer in guten Zeiten vorsichtig agiert, hat während der Krise Kapazität, riskantere Anlagen überlegt und dosiert zu Schleuderpreisen zu kaufen. Natürlich kann es immer noch schlimmer kommen. Doch das Verhältnis der Chancen zum Risiko ist während einer Krise immer besser als davor. Und wir wissen, dass jede Krise einen Tiefpunkt kennt, wonach es wieder aufwärts geht. Oft völlig unerwartet und rasch.
Beratern, die mit den Wölfen heulen, Banken, die jetzt zum Verkauf von Aktien, zum Abbau von Risiken raten, sollten Sie misstrauen. Sie kaschieren damit nur ihren zu leichtfertigen Umgang mit Risiken davor.